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Das Duett

Jazzlegende Klaus Doldinger im Gespräch mit Thiemo Brüll.
Jazzlegende Klaus Doldinger im Gespräch mit Thiemo Brüll.

Jazzlegende Klaus Doldinger im Gespräch mit Thiemo Brüll, dem Leiter der Musikabteilung von LUDWIG BECK, über gute Musik, den Münchner Markt und die Zukunft des Tonträgerhandels.

Herr Doldinger, Hand aufs Herz, haben Sie in der Jazzabteilung von Beck schon in Ihrem eigenen Fach gestöbert?

Klaus Doldinger: Immer mal wieder, klar. Ich kontrolliere allerdings nicht, ob alle Platten von mir da sind. Aber ich freue mich, wenn es so ist.

Wie oft kommen Sie denn zu Besuch?

Klaus Doldinger: Ich lebe ja schon seit Ende der 60er-Jahre nicht mehr in der Stadt, sondern auf dem oberbayerischen Land. Deshalb bin ich nicht ganz so oft hier, aber bestimmt mindestens zwei- oder dreimal im Jahr.

 Und mit welchem Gefühl betreten Sie den Laden?

Klaus Doldinger: Ich freue mich vor allem, alte Bekannte unter den Mitarbeitern wiederzusehen. Was ich kaufen will, weiß ich meistens schon vorher.

Haben Sie eigentlich viele so prominente Kunden wie Klaus Doldinger, Herr Brüll?

Thiemo Brüll: Wir sehen doch eine Menge bekannte Gesichter hier. Schon allein natürlich wegen der großen Orchester der Stadt. Dirigenten, Solisten, Orchestermusiker, wenn amerikanische Jazzmusiker in der Stadt sind, kommen sie oft auch zu uns. Zuletzt etwa der amerikanische Keyboarder George Duke. Viele prominente Musiker lassen sich auch immer wieder gern von den gleichen Mitarbeitern beraten.

Es heißt, auch der britische Hollywoodstar Christopher Lee sei eine Zeit lang sehr regelmäßig hier gewesen.

Thiemo Brüll: Allerdings. Ich bin aber gar nicht sicher, wie detailliert man die Geschichte erzählen darf.  

So detailliert wie möglich bitte!

Thiemo Brüll: Er kam als Klassik-Kunde. Er ist ja einausgebildeter Opernsänger und hat, glaube ich, auch als Dirigent gearbeitet. Er ging immer direkt ins Büro durch, unangemeldet selbstverständlich, ließ sich den Mantel abnehmen, bestellte einen Kaffee und gab uns dann einen langen Wunschzettel. Das wiederholte sich über einige Jahre mehrmals pro Jahr.

Ist das denn der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Plattenladen: Dass man solchen Klatsch erst Jahre später erfährt?

Klaus Doldinger: Bestimmt, außerdem sollte das Angebot natürlich genauso groß sein wie hier, und die Mitarbeiter sollten ebenso freundlich beraten!

Thiemo Brüll: Ich bin in einer kleinen Stadt im Westerwald aufgewachsen. Da gab es im Radioladen ein paar Schallplatten. Ich fuhr also nach Köln zum Saturn, dem Stammhaus, die gleichnamige Elektromarktkette existierte damals noch nicht. Dort gab es ein begehbares Lager, und es war im Grunde eine kleine Wissenschaft, dort Musik zu kaufen. Das hat mich geprägt, seitdem liebe ich tief sortierte Plattenläden. Wir hatten hier lang den Anspruch, dass wir jede einzelne lieferbare CD im Laden haben. Das ist heute nicht mehr so. Seitdem sich das Format Ende der 80-Jahre durchgesetzt hat, gibt es einfach ein zu großes Sortiment. Wir wählen also aus. Aber mit Fingerspitzengefühl. Vieles dürfte nirgendwo sonst mehr im Laden stehen.

Klaus Doldinger: In meiner Jugend, Anfang der 50er-Jahre in Düsseldorf, gab es ja noch so gut wie keine Schallplatten. Es war unglaublich aufregend, wenn damals der große Bruder meines besten Freundes aus Italien oder der Schweiz die neueste Erroll Garner-Aufnahme mitbrachte oder Oscar Petersons "Where Or When" in Triobesetzung. Das war eine Sensation. Man traf sich alle vierzehn Tage und hörte gemeinsam mit den Mitgliedern des Hotclub Düsseldorf neue und seltene Platten. Dizzy Gillespies "A Night In Tunisia" konnten wir alle nachpfeifen. Diese Zeit der Entbehrung hat mich stark geprägt. Musik hatte da einen Wert, wie man ihn sich heute nur noch sehr schwer vorstellen kann.

Nicht nur der Internethandel mit CDs hat das Geschäft der traditionellen Plattenläden schwerer gemacht, auch der Handel mit Musikdateien wächst stetig. Es sieht fast so aus, als könne man Musik bald gar nicht mehr anfassen.

Klaus Doldinger: Es wird immer Fans geben, die nicht nur Musik hören, sondern auch eine Hülle, ein Booklet oder eine Scheibe in der Hand halten wollen. Ich glaube nicht an den totalen Untergang des Handels mit CDs und Schallplatten. Ich sehe die Entwicklung aber auch sehr nüchtern. Meinen ersten Exklusiv-Vertrag habe ich 1962 mit Philips geschlossen. Und damals war der Schallplattenmarkt ein ganz kleiner Markt. In den 70er- und 80er-Jahren explodierte er. Heute flaut das Geschäft eben ein bisschen ab und wird vielleicht nie mehr so groß werden, wie es einmal war.

Thiemo Brüll: Ich glaube auch, dass das Angebot an CDs in den nächsten zehn Jahren deutlich kleiner werden wird. Das, was es geben wird, könnte allerdings etwas teurer und luxuriöser ausgestattet sein. Im Dateienhandel muss man abwarten, bis sich gute Formate durchsetzen. Klassische Musik in extrem komprimierten Formaten wie MP3 herunterzuladen, halte ich für völligen Unsinn. Die Qualität ist einfach noch viel zu schlecht. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Technik und damit auch die Tonqualität der Musikdateien im Netz im Lauf der nächsten Jahre deutlich verbessern wird.

Das würde Ihr Geschäft allerdings tief greifend verändern.

Thiemo Brüll: Ja, wir denken auch schon über eine Download-Plattform nach. Aber die Datenqualität müsste eben wirklich gut sein. Mal sehen, wohin die Reise gehen wird. Es könnte gut sein, dass es in zehn Jahren für eine Tonträgerabteilung unserer derzeitigen Größe überhaupt nicht mehr genug lieferbare CDs gibt. Ich bin aber davon überzeugt, dass es für herausragende Editionen immer eine Zukunft geben wird. Sogar Vinylplatten werden ja wieder mehr gekauft. Es entstehen immer neue Nischen und Bedürfnisse in unserem Bereich, auf die man sich spezialisieren kann.

Kaufen Sie manchmal Musik im Netz, Herr Doldinger?

Klaus Doldinger: Selten. Wenn ich mich für einen Künstler interessiere, höre ich mir online die Anfänge seiner Musik an. Als Informationsmedium ist das Netz für mich unersetzlich.

Sind die Münchner Musikfans anspruchsvolle Kunden?

Thiemo Brüll: Ich glaube, dass sich die Münchner Jazz-Szene nicht unbedingt wesentlich von der in Frankfurt oder Hamburg unterscheidet. Es gibt fast in jeder größeren deutschen Stadt bekannte Clubs und eine lebendige Szene. In der Klassik ist die Münchner Gemeinde allerdings sicher etwas sehr Besonderes. Musik ist hier im öffentlichen Leben so präsent wie nirgendwo sonst. München ist die Klassikhauptstadt Deutschlands.

Klaus Doldinger: Es gibt einige geschichtsträchtige Musikorte in der Stadt, die mich vor Ehrfurcht erschaudern lassen, und die immer noch da sind. Ich bin immer wieder sehr ergriffen, wenn ich etwa auf der Bühne des Prinzregententheaters stehe.

Schlägt sich diese Fachkenntnis auch in Ihrem Angebot nieder?

Thiemo Brüll: Unsere Kunden haben ein großes Wissen. Mehr noch als der Jazz ist die Klassik ja eine vergleichende Wissenschaft. Jede Beethoven-Symphonie hat bei uns ein eigenes Fach, weil es so viele Einspielungen gibt.

Hat Sie schon einmal eine Kundenfrage ins Schwitzen gebracht?

Thiemo Brüll: Wenn ich anfange zu schwitzen, habe ich zum Glück immer einen Kollegen in der Nähe, der weiterhelfen kann. Wir haben zum Beispiel Spezialisten für Oper im Team, für alte Musik, im Jazz haben wir einen Avantgarde-Experten, der für unser Sortiment auch schon mal CDs besorgt, von denen nur 100 Stück gepresst wurden.

Was hören die Münchner derzeit am liebsten?

Thiemo Brüll: Im Jazz haben sie auf jeden Fall keine Berührungsängste mit populäreren Ansätzen. Norah Jones und andere Stars des Smooth-Jazz werden viel gekauft, auch das neue Album von Till Brönner kam sehr gut an.

Klaus Doldinger: Ich finde ja, dass das unterhaltende Element, das der Jazz seit seinen Anfängen hat, unbedingt gepflegt werden darf. Ich habe immer gern Ornette Coleman gehört, aber eben auch den bei den Avantgardisten nicht allzu hoch geschätzten Les McCann. Niemand sollte sich scheuen, zu verständlich zu komponieren. Ich glaube sogar, dass es viel schwerer ist, eine schöne Melodie zu komponieren als etwas nölend Abstraktes. München war zum Glück immer großherzig genug, um nicht nur meine experimentelleren Sachen zu lieben, sondern auch die Musik, die ich für den "Tatort" oder "Das Boot" geschrieben habe.

Musik, Ludwig Beck
1. Jazzlegende Klaus Doldinger 2. Thiemo Brüll, Leiter der Musikabteilung bei LUDWIG BECK
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