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„Die Kraft ist um uns herum…!“ Ein Gespräch mit Diana Damrau

Diana Damrau ist ein Garant für Klassik-CD-Bestseller. Mit ihren Neuerscheinungen gelingt es ihr regelmäßig, die Klassik-Charts einige Wochen lang anzuführen. Nach ihrem rasanten Aufstieg hat sie sich fest in den luftigen Höhen des Opern-Olymps etabliert. Wenn sie in München gastiert, steht auch meist ein Besuch in der Musikabteilung bei LUDWIG BECK auf dem Programm. Für dieses Gespräch traf unser Mitarbeiter Alfons Vornberger die Kammersängerin nach ihrem Festspiel-Liederabend im Foyer der Bayerischen Staatsoper.

Hunderte von Konzertbesuchern stehen geduldig Schlange. Im Laufe der kommenden anderthalb Stunden wird sie für jeden ein freundliches Wort und ein strahlendes Lächeln haben. Sie ist absolut präsent, hat keine Berührungsängste. Manche Fans wollen sich nur bedanken für das Konzert, andere bitten um ein Autogramm und ein gemeinsames Foto. Ein freundlicher, blond gelockter Logenschließer übernimmt die Handys und macht Bilder. Er ist sichtlich hingerissen vom Charme und der Natürlichkeit des Weltstars aus Günzburg. Ein ums andere Mal wirft er sich auf die Knie, um die beste Perspektive zu bekommen. Als die letzten Fans zufrieden ihren Heimweg antreten, darf auch ich noch schnell ein paar Fotos machen, bevor wir uns in ihre Garderobe setzen. Es ist kurz nach Mitternacht. Diana Damrau sieht nach einem zweistündigen Solo-Programm und einer ebenso langen Autogrammstunde noch immer blendend aus und zeigt keine Spur von Erschöpfung.

LB: Frau Damrau, wie Sie wissen, steht es um den Klassik-CD-Markt nicht allzu gut. Zum einen wird viel weniger verkauft, zum anderen wird auch von den großen Firmen nur noch ein Bruchteil von dem produziert, was früher üblich war.
DD: Ja, die goldenen Zeiten der Aufnahmemöglichkeiten sind vorbei. Ich merke das auch. Ich singe momentan ausschließlich französisches Repertoire und würde so gern ein rein französisches Arienalbum aufnehmen…

LB: Auf Ihrem Album ist wenigstens teilweise französisches Repertoire drauf. Wie sind Sie denn überhaupt auf Meyerbeer gekommen?
DD: Schon als Studentin. Ich hab die Kantate „Gli amori di Teolinda” gehört und dachte mir: Das soll Meyerbeer sein? Der hat doch eigentlich französisch komponiert und stilistisch ganz anders. Ich habe mich mit ihm auseinandergesetzt und fand es total spannend, dass er auch deutsche Texte komponierte, wirklich urdeutsch. Und uritalienischer und französischer geht es auch nicht. Und da wusste ich, wenn ich irgendwann das Glück habe, eine CD aufnehmen zu dürfen, dann möchte ich eine mit Mozart und Salieri und eine andere mit Meyerbeer. Ausschließlich Meyerbeer. In Deutsch, Italienisch und Französisch! Ein reines Meyerbeer-Arienalbum gab es noch nie. Ursprünglich sollte das schon meine zweite CD werden. Da war ich noch gar nicht so weit. Jetzt hab ich stimmlich eine ganz andere Palette zur Verfügung.

LB: Ende der 90er-Jahre sind Sie in München als Zerbinetta in „Ariadne“ und Zdenka in „Arabella” eingesprungen. Ihre Bühnenpräsenz war schon damals überwältigend und die Fachzeitschrift OPERNWELT hat Sie 1999 zur Nachwuchssängerin des Jahres gewählt. Seither ging es stetig und rasant bergauf. Wo nehmen Sie die Kraft her, das alles zu meistern?
DD: Die Kraft ist um uns herum, die muss man nur durch sich durchlassen. Wenn man Sachen mit Liebe macht, mit Begeisterung und hundertprozentig dahinter steht, dann bringt man sich natürlich auch komplett ein. Singen ist ein Geben, ein Transformieren, Gefühle in Klang und Farben fassen, Text zu interpretieren, den Charakter, auch das Körperliche einer Figur zu zeigen, das Spielen, die Sprache, die Geschichte, einfach alles, was damit zusammenhängt…

LB: Und besonders mit dieser hundertprozentigen Präsenz, die Sie haben.
DD: Ja, wenn ich mich auf die Bühne stelle, dann bin ich im Dienste des Stücks und im Dienste des Publikums, diese Geschichte so zu erzählen, wie sie stattfindet und wie sie stattzufinden hat.

LB: Gelingt es Ihnen, diese Intensität jeden Abend abzurufen?
DD: (entschieden) Wenn ich nicht krank bin, ja! Ich muss mich natürlich darauf einstellen. Ich weiß ja genau, was ich machen werde, wie die Rolle angelegt ist, aber dann ist es wie ein Rausch. Als ich „Königin der Nacht“ gemacht habe, war das ein Zustand. Man schlüpft in diese Rolle hinein und man ist auch nichts und niemand anderes mehr. Parallel muss ich natürlich mein Instrument beherrschen und auch die Haltung zur Rolle verändert sich zwischen den Vorstellungen, zum Beispiel beim Einspringen mit Traviata neulich: Ich hab' ohne lange zu überlegen sofort zugesagt. Ich hatte die Rolle zwei Jahre nicht mehr gesungen.

LB: Hatten Sie vorher Proben?
DD: Eine Verständigungsprobe. Placido (Domingo) war da und Charles (Castronovo). Wir haben einmal die Szenen geprobt. Man bekommt seine Anweisungen, der Chor steht da, es kommt ein Hänger runter, die ganzen technischen Anweisungen.

LB: Da ist Nervenstärke gefragt. Überhaupt: Wie Sie ihren Weg gegangen sind – Respekt! Wenn man heute nach bedeutenden Koloratursopranistinnen gefragt wird, dann fallen einem spontan drei Namen ein: Sutherland, Gruberová, Damrau. Da sind Sie doch in erlesener Gesellschaft.
DD: (lacht, nicht ohne Stolz) …schon!

LB: Was kommt als Nächstes in München?
DD: „Lucia“ im Dezember.  Dann kommt etwas ganz Besonderes! Wir basteln an einem tollen Projekt, mehr darf ich eigentlich noch nicht sagen. Das wird noch etwa zwei Jahre dauern. Wir haben den perfekten Titel gefunden. Ich bin total happy!

LB: Ein CD-Projekt?
DD: Nein, eine spezielle Oper. Hier am Nationaltheater.  Aber ich darf noch nichts sagen. (lacht voller Vorfreude)

LB: Kommt ein Fachwechsel?
DD: Ach, ich möchte meine Koloraturen behalten – obwohl, ein reiner Koloratursopran war ich ohnehin nie, höchstens ganz am Anfang. Ich habe immer auch lyrische Partien gesungen wie Zdenka, Pamina. Auf dieser Schiene mache ich weiter. Momentan singe ich viel als Chanteuse Legère in den französischen Opern, die sind auch immer romantisch orchestriert. Der Koloratursopran würde da nicht mehr reichen, da muss man manchmal ganz schön Schmackes geben. Das ist momentan mein Revier und ich möchte mir vor allem die stimmliche Beweglichkeit bewahren. Schauen wir mal wo es hingeht. Langsam kommen natürlich auch die Donizettis: in der nächsten Spielzeit mein Rollendebüt als „Maria Stuarda“ in Zürich, da freu ich mich drauf. Dann kommt ein paar Jahre nichts Neues und dann geh ich irgendwann auch die anderen an.

LB: Elsa?
DD: (stöhnt) Das könnte ich mir vorstellen, aber es muss in den Kalender passen. Ich kann nicht zeitnah Partien singen, wo ich stimmliche Beweglichkeit, Spannkraft, Messa-di-Voce brauche und wo ich wirklich mit der Stimme spielen können muss. Da müsste ich meinen Kalender darauf abstimmen, langsam größere, lyrische Rollen anpacken. Ich möchte aber nicht riskieren, meine Höhe zu verlieren. Es ist ganz wichtig, dass die Stimme flexibel bleibt. Und wenn man dann auch das stärkere Repertoire singen will, muss man sich für eine Richtung entscheiden.

LB: Würde denn dem Wagner nicht eine gehörige Portion Belcanto gut tun?
DD: Auf jeden Fall. Meine zweite Lehrerin, Hanna Ludwig hat in Bayreuth bei Wieland Wagner gesungen. Sie hat immer gesagt, man muss den Wagner mit Belcanto-Technik singen.

LB: Barockmusik ist gar nicht so ihr Ding, oder?
DD: Eigentlich schon. Aber am liebsten in der Kirche.

LB: Ich wünsch‘ mir schon lange, „Jauchzet Gott in allen Landen” von Ihnen.
DD: Das kommt! Am Sonntag, den 3. Dezember 2017 um 18:00 Uhr beim „Adventskonzert aus Dresden“ im ZDF. Mit Thielemann. Das muss akribisch gearbeitet sein. Die Koloraturen müssen sitzen, technisch muss das perfekt sein wie eine Pferdedressur. Da darf kein Stolpern, kein Hängenbleiben passieren. Aber trotzdem muss das Herz dabei sein.

LB: Wie vor über 50 Jahren bei Maria Stader. Heute noch die Referenz-Aufnahme für diese Kantate! Kennen Sie die Aufnahme?
DD Ja. Die hab' ich bestimmt, wenn sie mir bei Ihnen im Laden empfohlen wurde. Ich habe eine Riesen-CD-Sammlung. Wir kennen uns ja schon seit so vielen Jahren. Genau gesagt seit 1999, kurz nachdem ich in Mannheim als Zerbinetta debütiert habe und hier in München damit eingesprungen bin. Seitdem komme ich zu LUDWIG BECK. Ich will eine CD in der Hand halten und in einem schön gemachten Booklet blättern. Das ist wie im Theater. Ich brauch das Anfassen, ich kann nicht in irgendeiner Cloud suchen oder downloaden. Dann find ich’s wieder nicht, wenn ich es brauche. Die CD ist was besonderes. Und BECK ist einzigartig in Deutschland. Man bekommt bei euch eine super Beratung und die Leute kennen sich aus. Wer weiß schon sonst, wer Meyerbeer ist?

Mit einem vergnügten Lachen verabschiedet sich Diana Damrau und ist schon wieder vollkommen absorbiert von einem Gespräch mit ihrem Manager über administrative Probleme mit Passbildern, die irgendwo eingereicht werden müssen. Es ist 1:00 Uhr morgens, als ich die Oper verlasse.

Diana Damrau/ROH/Oren – Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor / Erato 9029579205 / DVD € 19,95
Diana Damrau/ROH/Oren – Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor / Erato 9029579205 / DVD € 19,95
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