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Die Nacht der offenen Türen

Exklusives Einkaufserlebnis: Beck-Kunde und Bestsellerautor Jan Weiler erfüllt sich einen Kindheitstraum und verbringt eine Nacht im Kaufhaus der Sinne. Ein Bericht.

Der gute Geist des Hauses

Die Leute vom Kaufhaus LUDWIG BECK am Rathauseck haben mich gefragt, ob ich eine Nacht bei ihnen verbringen wolle. Ganz allein im dunklen Warenhaus. Natürlich ruft man sofort: "Jawoll!". Das liegt nicht nur an den wundervollen Ideen, die einem dabei einfallen, sondern auch an Beck. Wenn man in einem Kaufhaus übernachten will, dann in diesem. Ich frage dennoch, ob es dort wohl spuke, und es wird mir beschieden, dass der Ort natürlich beseelt sei von seiner Tradition. Diese begann 1861 damit, dass der Knopfmacher Ludwig Beck seine Werkstätte eröffnete, bald zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten von Ludwig II. aufstieg und expandierte. Mittlerweile soll der Ur-Beck als guter Geist des Hauses nachts auf Streife gehen, manchmal sitze er auch nur im Brotzeitraum der Mitarbeiter herum und murmele: "Zefix, der Knopf passt net!"

Personal-Shopping und Prosecco

Mir wurde ein kleines Bett gerichtet, damit ich nicht auf dem Boden schlafen muss. Es steht im Personal-Shopping-Bereich, einer kleinen, schicken Lounge in der fünften Etage, die man nicht einsehen kann. Wenn jemand ungern beim Einkaufen beobachtet werden möchte, kann er sich dorthin zurückziehen und bekommt alles gebracht, was man anziehen, durchblättern, anhören oder aufsprühen kann. Diesen Service nehmen übrigens durchaus nicht nur Scheichs in Anspruch, raunt man. In diesem nun meinem Séparée befindet sich eine Maschine, in der man vakuumverpackte Kaffeepads per Einwurf in einen sinisteren Schlitz einem unsichtbaren Schicksal zuführen kann. Es gibt zudem einen Kühlschrank, der vor allem Prosecco enthält und die Aufforderung, mich hier zu bedienen, wenn ich mag. Ich könne ohnehin tun und lassen, was ich wolle, sagt Andi, der Nachtportier. Er käme garantiert nicht vorbei, es sei denn, ich riefe um Hilfe. Dafür gibt er mir ein Telefon in die Hand. Er sei unten im Erdgeschoss beim Mitarbeitereingang. 

Die Nacht beginnt

Ich warte in meiner Lounge, bis die letzten Mitarbeiter das Haus verlassen haben. Diese müssen Andi etagenweise bestätigen, dass sich niemand mehr auf ihrem Stockwerk befindet, damit keiner – und schon gar kein Kunde – eingeschlossen wird. Bis das Haus mit seinen fünf Obergeschossen und dem Basement restlos verlassen ist, wird es fast halb zehn. Dann gehen schlagartig die Lichter aus, und die Nacht beginnt. Man hat mir an manchen stellen ein Notlicht gelassen, 30 Prozent der üblichen Beleuchtung, denn man möchte nicht schuld daran sein, wenn ich die Rolltreppen hinunterfalle. Die sind natürlich abgeschaltet, genau wie die Klimaanlage, genau wie alles, was hier sonst Geräusche verursacht. Es ist wirklich unheimlich still, bis auf die seltsamen Geräusche, die das Haus selbst macht. Knack. Hä? Ist da jemand? Irgendwo springt was an und geht wieder aus. Etwas pfeift kurz, das Haus knurrt wie ein müder alter Hund, der sich in seinem Korb zurechtlegt. Das Haus lebt, riecht aber im Gegensatz zu einem alten Hund: nach gar nichts. Die Luft ist so still und unbewegt wie die Kassen und Kleiderstangen und Rolltreppen des Hauses.

Ausgezeichnete Musik

11.500 Quadratmeter sind zu erkunden, und ich beginne ganz oben. Ist wirklich niemand da? Huhu? Haallo? Nein, niemand. Trotzdem schleiche ich, weil ich mich wie ein Eindringling fühle. Und weil ich niemanden erschrecken will, vor allen dingen nicht mich selbst. Noch nie hatte ich in einem Geschäft die Gelegenheit, in aller Ruhe so viele Platten zu hören, wie ich will, die CD-Player haben sie mir nämlich freundlicherweise angelassen. Also los. Ich nehme mir vor, 100 Platten zu testen. Es ist ja niemand da, der mich daran hindern könnte. Keiner steht hinter mir und wartet, und Ladenschluss droht auch nicht. Nicht ohne Grund sind sie bei Beck stolz auf ihre fünfte Etage und weisen darauf hin, dass hier ein Prozent des jährlichen Welthandels mit Klassik-CDs abgewickelt wird. Man verfügt auch über eine alibimäßige Popabteilung, welcher eine riesige für Jazz und eine fast absurd große für Weltmusik gegenüberstehen. Dort finden Fachleute wie Laien musikalische Feinkost aus der Ukraine, aus dem Benin, Afghanistan oder Mauretanien. Bald jedes Land der Erde verfügt über ein eigenes Fach. Und das führt zu folgender Überlegung: Wenn ein Akkordeon spielender Tourist aus Estland hierher kommt, kann er zuerst nachsehen, ob es sein Land bei Beck gibt (natürlich!) und dann eine CD des Bayern Hans Matheis erwerben, auf welcher zwölf Stücke für die steirische Harmonika zum Vortrag kommen. Das ist wohl weltweit einmalig, diese Gelegenheit bietet sich einem Esten nur hier. In München, bei Beck.

Lesen Sie hier den 2. Teil.

Drei Uhr morgens am Rathauseck. Unser Autor hat eine Begegnung der ungewöhnlichen Art.
Drei Uhr morgens am Rathauseck. Unser Autor hat eine Begegnung der ungewöhnlichen Art.
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